Wer modern und somit energiesparend ein Haus bauen möchte, verzichtet auf ein herkömmliches Heizsystem und baut ein Passivhaus.
Passivhäuser haben einen
Jahres-Primärenergiebedarf von max. 40 kWh pro m² Gebäudenutzfläche und einen Jahres-Heizwärmebedarf Qh von max. 15 kWh pro m² Wohnfläche, das ist weitaus weniger, als ein Neubau auf Basis der Energieeinsparverordnung verbraucht.
Ein Passivhaus hat kein aktives Heizungsystem sondern nutzt Sonnenwärme, Körperwärme und die Abluft von Elektrogeräten zur Wärmeerzeugung.
Es werden bis zu 95% dieser Wärme aus der Abluft zurückholt und in einem Wärmeübertrager in die Zuluft zurückführt. Die Lüftungsanlage reguliert vollautomatisch
die Frischluftzufuhr und den Abzug der verbrauchten Luft. Passivhäuser haben in der Regel Wohnräume mit große Fensterfronten gen Süden und keine oder wenige kleine Fenster gen Norden. Somit kann einfallende Sonnenwärme für die Wohnräume optimal genutzt
werden.
Zudem resultiert die hohe Energieeinsparung aus der äußerst wärmedämmenden und luftdichten Gebäudehülle.
Das Passivhaus ist kein Energie-Standard, sondern ein Gesamtkonzept für höchste Behaglichkeit - hier die präzise Definition:
"Ein Passivhaus ist ein Gebäude, in welchem die thermische Behaglichkeit (ISO 7730) allein durch Nachheizen oder Nachkühlen des Frischluftvolumenstroms, der für ausreichende Luftqualität (DIN 1946) erforderlich ist, gewährleistet werden kann - ohne dazu zusätzlich Umluft zu verwenden."
Diese Definition ist rein funktional, enthält keinerlei Zahlenwerte und gilt für jedes Klima. Die Definition zeigt, dass es nicht um einen willkürlich gesetzten Standard geht, sondern um ein grundlegendes Konzept. Das Passivhaus wurde also nicht erfunden - das Passivhaus-Prinzip wurde vielmehr entdeckt. Einzig streiten könnte man über die Frage, ob der Name "Passivhaus" treffend für dieses Konzept ist. Nun - es gibt keinen besseren. Denn thermische Behaglichkeit wird so weit wie irgend möglich durch passive Maßnahmen (Wärmedämmung, Wärmerückgewinnung im Temperaturgefälle, passiv genutzte Sonnenenergie und innere Wärmequellen) gewährleistet.
Noch mehr Klarheit ergibt sich bei näherer Betrachtung:
(1)
Weil man bei luftdichten Häusern (und alle Energiesparhäuser müssen luftdicht sein) immer eine Lüftung braucht, bedeutet das Passivhauskonzept gerade, dass die technische Komponente "Lüftung" ohne zusätzliche Kanäle, ohne größere Querschnitte, ohne Zusatzventilatoren etc. unmittelbar auch zur Heizung verwendet werden kann.
(2) Dadurch wird es möglich, Gebäude mit einer hocheffizienten Lüftungswärmerückgewinnung wirtschaftlich zu bauen. Das ist sonst schwierig, weil die Lüftungsanlage größenordnungsmäßig noch einmal soviel kostet wie eine Heizungsanlage - diese Doppelinvestition ist kaum zu amortisieren. Bei einem von beidem muss man die Kosten deutlich senken: Entweder bei der Lüftung (z.B. nur Abluftanlage, dann wird es ein Niedrigenergiehaus mit konventioneller Heizung) oder bei der Heizung (indem man die Lüftungsanlage auch zum heizen verwendet - dann wird es ein Passivhaus).
Die extrem niedrigen Verbrauchswerte ergeben sich zwangsläufig, weil der Wegfall der Heizung und das Beheizen mit der Frischluft nur funktionieren, wenn die Netto-Wärmeverluste sehr gering sind. Dazu muss die Wärmedämmung der Gebäudehülle sehr gut sein - vor allem in kalten Klimaregionen. Wie gut die Dämmung wirklich sein muss, lässt sich mit einer Energiebilanz vorab projektieren.
Autor: Dr. Wolfgang Feist © Passivhaus Institut